3 gute Gründe, warum wir (bisher jedenfalls) keine gebrauchten Grabmale kaufen

von 28. März 2015 Gedanken ums Gedenken

Je nach Friedhof unterschiedlich enden die Ruhefristen für Gräber nach etwa 20 bis 30 Jahrewolle grabstein kaufenn. Für die Steine auf diesen Gräbern ist das nur ein Wimpernschlag im Vergleich zu den Jahrtausenden und Jahrmillionen, die sie schon seit ihrer Entstehung hinter sich gebracht haben. Und da die Grabsteine meist noch schön sind und vermeintlich nur einer ordentlichen Reinigung bedürfen, kommen viele Menschen auf die an und für sich gute Idee, mir den Grabstein anzubieten.
Tatsächlich ist es oft auch schade um das Denkmal, in dem nicht nur viel Arbeit, sondern auch ein wertvoller Rohstoff steckt, der fast unkaputtbar ist. Außer eben man schmeißt ihn vom Grab in den Bauschuttcontainer. Doch selbst wenn ich den Stein umsonst haben kann, muss ich in 99,9% aller Fälle dankend ablehnen – leider. Aus folgenden drei guten Gründen

  1. Der naheliegende Grund:

    Der Grabstein eignet sich nicht.

    Weil
    – der Stein tatsächlich beschädigt ist.
    – der Stein gar kein Naturstein ist, sondern ein Kunststein (das hat man früher manchmal gemacht).
    – die Inschrift handwerklich eingemeißelt ist, also wie eine tiefe Gravur. Die müssten wir für die Wiederverwendung entfernen. Sprich: die komplette Schriftfläche abfräsen, bis die Schrift weg ist. Wenn der der Stein schon nicht so dick ist, dann wird er durch diese Prozedur noch dünner und entspricht wahrscheinlich nicht den heutigen Friedhofssatzungen, die eine Dicke von 12-14cm mindestens vorschreiben.

  2. Der menschliche Grund:

    Ganz wenige Kundinnen und Kunden sind für gebrauchte Grabmale zu begeistern.

    Der Gedanke, dass es schon mal jemand anderem gehört hat, bereitet ihnen Unbehagen. Außerdem gibt es auch auf dem Friedhof Modetrends, und alte Steine entsprechen häufig nicht dem aktuellen Geschmack in Bearbeitung, Form und Farbe.

  3. Der kaufmännische Grund, den ich immer ausführlich erläutern muss:

    Wenn wir mit dem Recycling eines alten Grabmals fertig sind, kostet dieser Stein genauso viel wie ein neuer.
    Bzw. die Preisersparnis ist nicht so hoch, dass unsere Kundinnen und Kunden dafür einen gebrauchten Stein „in Kauf“ nehmen.

    Denn wir müssen dafür in der Regel
    – das alte Grabmal abbauen und in unsere Werkstatt transportieren
    – es reinigen
    – die alte Inschrift entfernen (also entweder Metallbuchstaben ausbauen und die kleinen Dübellöcher schließen oder bei einer handwerklichen Schrift die ganze Schriftfläche abfräsen; siehe Grund 1)
    – vielleicht noch das alte Fundament und den alten Dübel absägen
    – möglicherweise die Politur wieder herstellen
    – den Stein eventuell in neue Größe und/oder Form zusägen
    – den recycelten Stein ordentlich einlagern (und später wieder finden)….
    Sie verstehen, was ich meine, da kommt einiges an Arbeitskosten zusammen. Zusätzlich zum Ankaufspreis, den der Vorbesitzer eventuell noch haben möchte. Und nicht zu vergessen: Wir müssen an diesem Stein auch noch etwas verdienen.

Somit wird ein im Grunde lobenswerter Recycling-Gedanke leider selten umgesetzt. Nicht, dass es nicht auch mal klappt: Wir haben schon häufiger Steine umgearbeitet, zu denen die KundInnen einen persönlichen Bezug hatten. Also wenn es ursprünglich der Grabstein für die Oma war und nun der für die Mutter werden soll (zum Beispiel). Dann bleibt der Stein quasi in der Familie, und die bei 2. und 3. aufgeführten Themen spielen keine Rolle.

Persönlich halte ich das Stein-Recyceln für eine wirklich gute Idee. Denn:
– die Steine haben oft nichts an Ihrer Qualität eingebüßt
– wenn wir Steine wiederverwenden, müssen wir weniger neue Steine aus aller Welt importieren, das spart u.a. Energie
– wir vermeiden Abfall.

Es geht halt nur, wenn auch Sie mitspielen und bereit sind, für einen recycelten Stein genauso viel auszugeben wie für einen neuen. Denken Sie doch einfach mal drüber nach 🙂

Katja Hobler

About Katja Hobler

Katja Hobler probiert unheimlich gerne sich selbst und neue Dinge aus. Daher ist sie sehr dankbar, dass sie bei Natursteine Glöckner nicht nur für Strategie, Marketing und CSR zuständig ist, sondern noch für eine gute Handvoll anderer Bereiche.

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