Billig, aber gut? Warum chinesischer Granit keine Alternative ist.

Kürzlich fand unser diesjähriger Betriebsausflug statt. Zwischen Kartfahren am Nürburgring und dem gemeinsamen Abendessen stand  die Besichtigung eines Steinbruchs in der Eifel auf dem Programm. Die war sehr, sehr staubig und in vielerlei Hinsicht hochinteressant. Bei unserem Lieferanten wird seit über 100 Jahren  Basalatlava gebrochen: für Treppenstufen, Boden- und Fassadenplatten, Steinmetz- und Bildhauerarbeiten, Pflastersteine und Schotter.

Neben der wirklich spannenden Historie des Unternehmens sprach der freundliche Geschäftsführer auch über die geplanten Erweiterungen des Steinbruchs. Und so waren wir dann schnell beim Thema Umweltauflagen. Die sind nämlich – wie bei allen deutschen Steinbrüchen – sehr hoch.
Weil sich etwa ein seltener, weil gar nicht einheimischer Uhu am Rande des Steinbruchs heimisch fühlt, müssen nicht nur entsprechende Umweltgutachten erstellt werden,

Ist uns ein Uhu mehr Wert als ein Chinese?

Ist uns ein Uhu mehr Wert als ein Chinese?

selbstverständlich auf Kosten des Unternehmens. Zusätzlich werden Auflagen gemacht, damit der Uhu sich auch weiterhin wohl dort fühlt.

Ich persönlich finde im Grunde gut, dass auf Flora und Fauna Rücksicht genommen wird, und nicht jeder grad machen kann, was er will. Allerdings ärgere ich mich darüber, dass der Staat (Bund, Länder und Kommunen) zwar Betrieben in Deutschland diese Gesetze und Vorschriften auferlegt, sich selbst bei der Beschaffung von z.B. Straßenpflaster aus chinesischem Granit keinen Deut drum schert, wie dort in Asien mit Tier und Pflanze und nicht zuletzt dem Menschen umgegangen wird.

Tarifrecht, Arbeitsbedingungen –
Es bleibt ja nicht bei Umwelta
uflagen.

Die Umweltauflagen sind nur ein Teil der gesetzlichen Regelungen, denen der Steinbruch aus der Eifel unterliegt. Daneben gibt es tarifliche Vereinbarungen, Mindestlohn, soziale Absicherung… Alleine die Aufzählung der vielen Bestimmungen rund um den Arbeitschutz würde hier den Rahmen sprengen. Das hat alles seine Berechtigung, verursacht aber halt auch Kosten, die selbstredend über den Preis an die Käufer des Basaltlavas weitergegeben werden.

Wie Sie sich denken können: Dieser Preis kann mit dem des chinesischen Natursteins nicht konkurrieren. Denn dort gibt es nicht nur keine vergleichbaren Umweltvorschriften, dort herrschen auch ganz andere und zum Teil menschunwürdige Arbeitsbedingungen. Immer wieder werden Zustände publik, die an Sklavenarbeit erinnern. Von Kinderarbeit ganz zu schweigen: Die gibt es nämlich nachweislich immer noch in chinesischen und indischen Steinbrüchen oder der Naturstein-verarbeitenden Industrie, trotz einigen Versuchen, sie mittels Zertifikaten zu verhindern.

Dass in Asien der Arbeitsschutz keinen sehr hohen Stellenwert hat, kennen Sie wahrscheinlich aus Berichten über die Bekleidungsindustrie. Gleiches gilt auch für den Natursteinsektor. Deshalb ist die Silikose, eine durch Natursteinstaub hervorgerufene ernste Erkrankung der Lunge weit verbreitet.

Chinesischer Granit: Ist „billiger“ wirklich günstiger? Und ist es das wichtigste Kriterium?

Eigentlich würde das alles ja schon ausreichen, um vom chinesischen Material Abstand zu nehmen. Dennoch verbaut die öffentliche Hand es gerne, weil es billiger ist. Zumindest auf den ersten Blick. Wir haben vor ein paar Jahren einen denkmalgeschützten Brunnen in der Altstadt einer saarländischen Kommune restauriert. Die umliegende Rinne wurde bei einer Bauunternehmung bestellt, schon fertig in China aus chinesischem Granit hergestellt. Sie traf nach schier endloser Lieferzeit ein und hat  – was beim Bauen im Bestand zu erwarten war – nicht gepasst. Deshalb mussten wir sie aufwändig nacharbeiten. Vielleicht war die Rinne am Ende immer noch billiger als aus einem vergleichbaren europäischen Granit. Aber nur deshalb, weil man die Kosten durch die Umweltverschmutzung vor Ort und beim Transport nicht mit einrechnet. Genauso wenig wie die Kosten, die angemessene Löhne und Arbeitsbedingungen für die Menschen vor Ort verursacht hätten.

Wir denken anders. Uns interessieren die Folgen unseres Handelns. Wie wirkt sich unser Verhalten aus auf Mensch und Umwelt? Wenn man sich diesen Fragen ernsthaft stellt, dann ist chinesischer Granit keine Alternative. Mittelfristig wollen wir uns auch vom indischen Naturstein verabschieden, zumindest so lange, wie Kinderarbeit nicht verlässlich ausgeschlossen werden kann. Ich würde mich freuen, wenn Sie diesen Weg mit uns gehen!

 

Wenn Sie das Thema näher interessiert, finden Sie in diesem Artikel  vom Südwind Institut tiefer gehende Informationen.

Katja Hobler

About Katja Hobler

Katja Hobler probiert unheimlich gerne sich selbst und neue Dinge aus. Daher ist sie sehr dankbar, dass sie bei Natursteine Glöckner nicht nur für Strategie, Marketing und CSR zuständig ist, sondern noch für eine gute Handvoll anderer Bereiche.

4 Comments

  • Rosemarie Noll sagt:

    Hallo, freue mich diese Seite gefunden zu haben. Mein Mann ist verstorben und ich habe eine wunderschöne Abdeckung mit Orion blue. Nun habe ich eine Schale mit Blumen darauf gestellt und leider bilden sich unter der Schale Kalkränder vom Gießen. Schale weg? Oder kann man die Ränder im Herbst gut entfernen. Freundliche Grüße von Rosemarie Noll

    • Katja Hobler Katja Hobler sagt:

      Liebe Frau Noll,
      bitte entschuldigen Sie, dass ich Ihnen erst heute antworten kann. Sie könnten versuchen, den Kalkflecken mit dem Grundreiniger HMK 155 beizukommen. Allerdings würde ich es gleich versuchen und nicht bis zum Herbst warten. Je nachdem, wie zufriedenstellend das Ergebnis für Sie ist, haben Sie dann auch eine Entscheidungsgrundlage für die Frage: Schale weg oder nicht. Vielleicht ist es Ihnen ja wichtiger, Blumen aufs Grab stellen zu können, als eine fleckenlose Platte.
      Sollte der Grundreiniger überhaupt nichts bringen, wenden Sie sich an einen ortsansässigen Steinmetz, der es dann mit einem Zementschleierentferner probieren kann.
      Ich hoffe, ich konnte Ihnen weiterhelfen!
      Herzliche Grüße, Katja Hobler

  • Timothy C. Vincent sagt:

    Hallo Katja,
    ein schöner informativer Artikel über ein schlimmes nicht umfangreich bekanntes Thema.

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