5 Argumente für Naturstein aus der Region

Oder warum es uns nicht egal ist, wo unser Material herkommt.

Im Frühjahr 2017 haben wir unsere erste Umwelterklärung veröffentlich und dafür erstmals ermittelt, in welchen Mengen wir Naturstein verbrauchen und woher dieser kommt. Die Zahlen waren für uns keine Überraschung: Mehr als Dreiviertel des Materials kommt aus Deutschland und immer noch mehr als 70% aus der Region <100 km Entfernung.

Unsere Werksteine kommen vor allem aus der Region.

Sie fragen sich, warum das so ist? Ganz einfach: Weil wir überwiegend in der Restaurierung arbeiten, und die Menschen vor 200 Jahren mit Materialien gebaut haben, die vor Ort verfügbar waren. Und das ist im unserer Region nun mal vor allem Sandstein.

Heute existieren in Deutschland noch 200 bis 250 aktive Steinbrüche, in denen im Jahr 2015 rund 700.000t Naturstein gefördert wurden. Die Materialvielfalt ist beachtlich: Granit, Basalt, Diabas, Sandstein, Kalkstein, Dolomit und Marmor sind regional verfügbar. Zugleich wird mehr als doppelt so viel Naturstein importiert. 263.000t Rohmaterial und 1.656.000 fertig bearbeitetes Material (2015) wurde aus dem Ausland eingeführt. Die Herkunftsländer sind natürlich unsere europäischen Nachbarn, allen voran aber China und Indien. Denn der asiatische Naturstein ist nicht nur farbenfroh, sondern vor allem: billig. Dennoch haben wir beschlossen, künftig nicht nur auf – wie bisher schon – chinesisches Material, sondern auch auf indisches zu verzichten.

5 Gründe, warum wir Natursteine aus unserer Region bevorzugen

1. Ihre Küchenarbeitsplatte wir garantiert ohne ausbeuterische Arbeit oder Kinderarbeit hergestellt.

Denn in Deutschland und Europa allgemein ist das ausgeschlossen. Dass das grad für den bei uns viel geliebten indischen Naturstein nicht gilt, belegt erneut eine aktuelle Studie vom August 2017. Die Situation der ArbeitnehmerInnen, Arbeitnehmerrechte, selbst einfache Arbeitsschutzbestimmungen sind aber nicht nur in Indien kein Thema, auch für den übrigen asiatischen Raum, Südamerika und Afrika ist vieles ungeklärt.
Selbst die gehypten Siegel und Zertifikate sind keine Lösung: Auf dem Markt sind nur solche für asiatischen Naturstein, und das Zertifikat für Grabmalmaterial aus Indien sind unseres Erachtens nicht glaubwürdig (www.siegelklarheit.de).

2. Wir haben häufig direkten Kontakt zum Steinbruch.

Warum das gut für Sie ist? Na, weil wir im Zweifelsfall hinfahren und uns das Material aussuchen können. Die Farbe passt nicht zum Stein, der am alten Gebäude schon dran ist? Dann wird eben ein neuer, passenderer Block gebrochen. Dass das beim chinesischen Granit nicht geht, muss ich wohl nicht erklären.

3. Die Lieferwege sind kurz.

Basaltlava aus der Eifel ist halt nicht 12 Wochen auf den Weltmeeren unterwegs, sondern im Normalfall in 2-4 Wochen bei uns am Lager. Und wenn dann plötzlich ein zusätzliches Stück benötigt wird, ist das auch recht fix zu bekommen. Wir hatten auch schon mal den Fall, dass ein indischer Grabstein am Zoll nochmal 8 Wochen in Quarantäne stand – weil sich ein offenbar unwillkommener Käfer in der hölzernen Verpackung eingenistet hatte.
Natürlich wird für den Transport aus der Eifel wesentlich weniger Energie verbraucht und der Schadstoffausstoß ist weitaus geringer. Im direkten Vergleich verursacht der Bezug von chinesischem Naturstein ca. 60mal so viel klimawirksame Emissionen wie der aus Deutschland und immer noch dreimal so viel wie der aus Europa.

4. Der Naturschutz ist gewährleistet.

Nicht nur der Transport wirkt sich umweltschädlich aus, auch der Abbau an sich ist umweltrelevant. In Deutschland und in Europa können Sie getrost davon ausgehen, dass vor Öffnung oder Erweiterung eines Steinbruchs kontrolliert wird, wie für den Uhu, die Fledermaus, das achtblättrige Sumpfdotterröschen ein Ausgleich geschaffen werden kann. Das mag auf den ersten Blick übertrieben wirken, aber es schützt unser aller Umwelt und die Artenvielfalt. Nach Schließung eines Steinbruchs erfolgt in der Regel die Renaturierung unter öffentlicher Aufsicht.

5. “Unbehandelter” Naturstein ist wirklich unbehandelt.

Nein, das ist keine Selbstverständlichkeit – zumindest nicht, wenn der Stein aus China kommt. Dort wird häufig schon bei der Verarbeitung geharzt, imprägniert, was auch immer. Und niemand, weder Importeur noch Zwischenhändler kann mir erzählen, ob eine solche Behandlung stattgefunden hat und womit. Das verursacht nicht nur Probleme für unsere Produktion (wie muss sich der Steinmetz z.B. beim Schleifen schützen?), sondern auch für die dauernde Pflege durch Sie (womit können Sie den Stein reinigen oder schützen?). Unser Chef ist Sachverständiger, der kann Ihnen ein Liedchen von den Folgeproblemen singen.

Verzichten wir nun komplett aus Material aus Übersee?

Nein. Wir machen ein paar Ausnahmen:

  • Wenn wir indisches Material, z.B. Grabmale recyceln können.
  • Wenn es eine Ergänzung zum vorhandenen Grabmal ist.
  • Weil wir unser Sortiment nicht allzu sehr einschränken können.

Zum Beispiel kann ich statt afrikanischen Nero Assoluto durchaus europäischen Naturstein anbieten. Für unsere Baukunden kommt der aber häufig aufgrund des höheren Preises überhaupt nicht in Frage. Auf diese Kunden können wir aber nicht (auch noch) verzichten. Denn wir sind für unsere 24 MitarbeiterInnen verantwortlich.

Es geht also um´s Kompromisse machen. Das heißt für uns: kein chinesisches Material, indisches nur in den oben beschriebenen Ausnahmefällen und so wenige wie möglich Naturstein aus Übersee. Wir werden immer auf Material aus der Region oder mindestens aus Europa hinweisen, grade im Grabmalbereich sind wir damit sehr erfolgreich.
Verstehen Sie mich bitte nicht falsch: Wir verurteilen niemanden, der unseren Weg nicht mitgehen möchte. Aber wir freuen uns aufrichtig über alle, die uns begleiten.

Weitere Quellen:

World Marble and Stones Report 2016
http://www.natursteinonline.de/zeitschrift/wissen/steinbrueche_deutschland.html
https://www.suedwind-institut.de/index.php/weitere-themen.html

Unsere Umwelterklärung 2017 finden Sie hier:
http://www.natursteine-gloeckner.de/natursteine-gloeckner/nachhaltigkeit/csr-berichtserstattung/

Und über chinesischen Granit habe ich schon mal geschrieben.

Katja Hobler

About Katja Hobler

Katja Hobler probiert unheimlich gerne sich selbst und neue Dinge aus. Daher ist sie sehr dankbar, dass sie bei Natursteine Glöckner nicht nur für Strategie, Marketing und CSR zuständig ist, sondern noch für eine gute Handvoll anderer Bereiche.

2 Comments

  • Max sagt:

    Klasse Bericht und ehrliche Meinung zu einem heiklen Thema. Auf der einen Seite wünschen sich Kunden die Steinvielfalt, auf der anderen Seite ist die Kundenentscheidung für oder gegen einen Stein vom Preis getrieben.

    Schauen wir uns doch einfach mal die von Hand abgebauten Solnhofener Platten an. Aus ökologischer Sicht ein super Stein, preislich aber nicht unbedingt der günstigste aufgrund des Abbaus per Hand

    • Katja Hobler Katja Hobler sagt:

      Guten Tag
      und vielen Dank für Ihren Kommentar. Solnhofener Platten sind eine sehr schöne, rutschsichere und nachhaltige Wahl.
      Herzliche Grüße
      Katja Hobler

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